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brünierte Messingteile


Dieser Artikel ist im Rahmen des Bau des Hafenschleppers Saturn der Fa. Graupner alias Dampfschlepper Albert entstanden.

Oftmals sieht man an Arbeits- und Spezialschiffen blank geputzte Messingteile. Das passt aber irgendwie nicht so recht, Messingputz zu feierlichen Anlässen mag auf einer Segelyacht vielleicht Sinn machen, aber auf einem Schlepper oder Fischkutter, ist das reine Nebensache und sieht wenig realistisch aus.

Besser ist es, Messing zu färben. Das geht zu einen von ganz allein, benötigt allerdings etwas Zeit. Durch diverse Umwelteinflüsse, beschlägt die Messingoberfläche, wir stumpf und nimmt einen schmutzige dunkelgelben Farbton an. Um diesen Effekt zu beschleunigen kann man mit normaler Farbe oder mit einer chemischen Behandlung nachhelfen.

Farbe hat den Nachteil, sie kann nach einiger Zeit wieder abblättern, ist nicht unbedingt abriebfest und um eine genügende Farbdeckung zu erhalten, muss sie meist so ''dick'' aufgetragen werden, dass filigrane Feinheiten des Details ''verschwinden''.

Anders dagegen die Anwendung durch Chemie. Hier bietet der Fachhandel Brünierungsmittel oder Messingbeize.

Damit erreicht man je nach Einwirkzeit der Beize Farbtöne von leichtem Hellbraun bis Tiefschwarz. Der Vorteil der Geschichte - es wird keine Farbe aufgetragen, sondern die Färbung dringt sozusagen in das Material ein - die Oberfläche des Materials wird quasi angegriffen oder ''verätzt'' - eben gebeizt - ähnlich wie die Oxydation von Eisen.

Dabei gehen die Strukturen des Details nicht verloren, selbst ein M1-Gewinde bleibt vollständig erhalten und funktionstüchtig, bei Farbe wäre das nicht der Fall.

Der Vorgang ist denkbar einfach. Die Beize wird in ein Glas gegeben und in einem Wasserbad erhitzt. Die beste Arbeitstemperatur liegt i.d.R. bei über 70°C.

Das zu färbende Material wird entfettet, mit Aceton oder mit einfacher Seifenlauge und einer feinen Bürste, abgespült und dann in das Glas mit der Beize gelegt.

Am besten man arbeitet mit Gummi- bzw. Latexhandschuhen. Einmal zum Schutz vor Hautkontakt, zum Anderen zur Vermeidung von Fingerabdrücken auf dem Messing.

Das Glas bleibt dabei im Wasserbad und wird weiterhin auf Temperatur gehalten. Wärmeplatten einer ausrangierten Kaffeemaschine eignen sich dafür hervorragend, aber die normale Herdplatte tut es natürlich auch.

Bei frischer Beize dauert die komplette Schwarzfärbung etwa 20 bis 30 Minuten. Dazwischen erreicht man diverse Farbnuancen.

Nach Erreichen des gewünschten Farbtons, die Teile aus der Beize nehmen (mit einer Pinzette), gründlich unter fließendem Wasser abspülen und anschließend mit einem Lappen trocken reiben. Dabei werden Beizrückstände entfernt und das Material poliert, es erhält ein matten metallischen Glanz.

Fertig.

Brünierte Messingteile behalten ihren metallischen Charakter und sind so gut wie abriebfest.

Die Beize kann mehrfach verwendet werden und sie ist fast unbegrenzt lagerfähig. Je öfter die Beize verwendet wird, je mehr sättigt sie sich und die Beizvorgänge dauern länger. Die Flüssigkeit nimmt dabei einen blauen Farbton an.

Die Beize ist nicht unbedingt hochgiftig oder stark ätzend, aber wie jeder andere chemische Stoff auch nicht unbedingt gesundheitsfördernd, also Dämpfe nicht einatmen, verschlossen und für Kinderhände unerreichbar aufbewahren, verwendete Lebensmittelbehälter (Marmeladengläser etc.) ausreichend kennzeichnen. Ansonsten die Hinweise der Hersteller beachten. Der Autor übernimmt keine Haftung für Schäden jeglicher Art, die durch die Verwendung dieser Informationen entstehen könnten.

Die Kausch ist gebeizt, der Schäkel nicht.
Hier sind die Schäkel brüniert.
Eine blanke Spannschraube würde hier überhaupt nicht passen, aber brüniert schon.
Dabei bleibt sie vollkommen funktionstüchtig. Farbe würde das 1,5 mm Gewinde verkleben und wäre nicht mehr gängig.
Noch einmal eine brünierte Spannschraube, ebenso die Relingstütze.
Ein fast komplett aus Messing gebaute Ankerwinde vor ...
... und nach der Behandlung mit Beize.
Ein komplettes Rudergetriebe.
Ein künstlich gealteter Messingpropeller ist ...
... einmal was anderes.

Wie auf dem vorhergehende Bild zu erkennen ist, werden Lötstellen leider nicht mit eingefärbt. Hierfür gibt es im Handel spezielle Beize. Aber in diesem Fall tut es auch ein schwarzer, wasserfeste Permanentmarker, um das Problem zu kaschieren.
Schornstein und Klinke wurden brüniert.
Die eingefärbten Messingteile heben sich sehr gut von der teils hellen Lackierung ab und passen hervorragend zum Gesamtbild des Modells.
Auch Ankerketten lassen sich gut beizen.

Die Winde ist funktionstüchtig, Durch die ständige Benutzung reibt sich die Brünierung mit der Zeit ab und bildet sogar ''echten'' Rost.
 

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